Freitag, 6. Januar 2012

Einbau der MRA-Racing-Scheibe

Guten Abend, liebe Zielgruppe,

nachdem ich nun schon seit einer kleinen Ewigkeit auch die MRA-Scheibe auf meinem Lesesessel liegen hatte, die ich bei meinem Forumskumpel Meister Lampe günstig gekauft habe, begab ich mich heute Abend an deren Einbau. 

Die originale Scheibe. Mist, hätte ich vorher mal putzen sollen
Vorab gesagt: ich war ja gewarnt. Meine Frau hatte mich gewarnt, indem sie fragte: "Schatz, was willst Du eigentlich noch alles an dem Mopped austauschen?" und dann vorschlug: "Kauf dir für das Geld lieber Sprit und geh fahren, damit du mich nicht ständig mit deiner schlechten es-ist-Scheißwetter-ich-kann-nicht-fahren-Laune nervst. Erst wollte ich rebellieren und ihr etwas von Öhlins-Dämpfer und was weiß ich nicht noch alles erzählen, aber dann besann ich mich eines Besseren, denn sie hat ja recht. Eigentlich wäre mir auch viel mehr danach, den Hahn aufzudrehen und Wheelies zu üben, aber das Wetter ändert sich ja durch einen vollen Tank auch nicht dramatisch. Auch war ich durch diverse Forenbeiträge gewarnt. Von halb zerstörten Fingerkuppen, durch das Ausbauen und Wiederverwenden der Gummimuttern aus der originalen Scheibe für die neue, höhere Scheibe war die Rede, von abgerissenen Fingernägeln und von Blutopfern für unsere geliebte und heilige Göttin RR. Nun ja. In den Foren wird ja gerne auch mal übertrieben, dachte ich so. Da diese Gummimuttern ähnlich funktionieren, wie Hohlraumdübel, also in der Art, dass sie sich beim Anziehen der Schraube zusammenstauchen und eine Wulst ausbilden, war mir irgendwie schon klar, dass eine Wiederverwendung der schon gestauchten Teile Nerven kosten könnte. Dem Gefriemel mit den alten Gummimuttern gehst du eh mal gleich aus dem Weg, habe ich mir daher so gesagt, als ich über die Aktion nachdachte und kaufst dir einen Satz neue. Schon ist der böse Geist verschwunden und alles wird gut. Ja, schöner Gedanke, das. Soweit.

Benutzte und gestauchte Mutter an der originalen Scheibe
 
Erster Schock: für die benötigten 8 dieser ebenso dämlichen, wie auch simplen Gummimuttern ruft der freundliche BMW-Händler, ohne mit der Wimper zu zucken Euro 34,40 auf, natürlich incl. MWSt. - das relativiert ja alles. Ein 6er-Pack solcher Mütterlis kostet bei Tante Louise 7,99 Euro in Ausführung M5, aber man hat ja Sorge, dass die dann nachher nicht wirklich passgenau sind. Zu dick oder zu dünn könnte die Gummitülle ja sein und auf Experimente mit einer bei >250 km/h herumflatternden Scheibe hatte ich auch irgendwie keinen Bock. Nee, echt nicht. Also, hau weg den schnöden Mammon, mitnehmen können wir ja eh nix und für die Hinterbliebenen ist die Lebensversicherung auch ein Trost. Bevor ich nun an die Beschreibung des Einbaus gehe, möchte ich noch voraus schicken, dass ich mich durchaus als geübten Schrauber bezeichnen würde. Zwar mache ich das heute nicht mehr so oft, aber vor meinen nun fast 30 Berufsjahren als Kaufmann, habe ich ein technisches Handwerk erlernt und bin somit ausgebildeter und geprüfter Kfz.-Mechaniker. Ja, genau Mechaniker! Also so einer, der früher noch ganze Autos zerlegt und wieder zusammengebaut hat. Den jüngeren unter uns wird das suspekt vorkommen, aber die Wahrheit ist, dass man tatsächlich nahezu alles reparieren kann und damit meine ich nicht ein defektes Teil auszubauen und ein neues Teil einzubauen sondern eben genau das, was das Wort reparieren vorgibt: ein defektes Teil auszubauen, dieses zu r-ep-a-r-i-e-r-e-n und dann wieder einzubauen. Wir haben zu dieser Zeit z.B. ganze Getriebe und nicht nur Schaltgetriebe sondern auch die damals verbauten Planeten-Automatikgetriebe repariert. Jawoll. Ausgebaut, in ihre qaudrillionen Bestandteile zerlegt, den Fehler gefunden und wieder zusammengebaut, so dass der Kunde wieder voller Freude vom Hof fahren konnte. Ging damals, auch wenn man für so eine Arbeit 2 - 3 Tage brauchte und das mit 2 Personen, weil da ständig jemand etwas festhalten, überstülpen, einölen oder holen musste. Wenn ich mir vorstelle, was so eine Aktion heute kosten würde, schätze ich, bekäme man für den Gegenwert der Reparaturkosten vermutlich ein gebrauchtes, aber solides Winterfahrzeug mit 4 Türen. Egal, ich schweife viel zu weit ab. Das kann am Flüssigtreibstoff der Erdinger Tankstelle liegen, der mir gerade ausgesprochen gut schmeckt, nach der ersten Arbeitswoche dieses Jahres.

Nun drehe ich mal die Uhr ein wenig zurück und gehe gedanklich wieder in meine Garage, denn da ist die Welt noch in Ordnung. Es ist dort zwar jetzt etwas kalt, aber es ist in Ordnung. Da riecht es nach Gummi, Metall und Sprit, das ist manchmal besser als Düfte von Giorgio Armani. In der heilen Welt grauer Betonwände schraubte ich also zunächst einmal die oberen 6 Schrauben der Windschutzscheibe heraus und rettete selbige incl. der dazugehörigen naturfarbenen (hellen) Nylon-Unterlegscheiben problemlos. 

Die oberen 6 Schrauben, mit naturfarbenen Nylon-Unterlegscheiben
Bei besagten, oberen 6 Verschraubungen ist es so, dass die schon erwähnten Gummimuttern in die Öffnungen der Scheibe eingelassen sind und die Scheibe unter den Verkleidungsteilen liegt. Bei den unteren, letzten beiden Befestigungspunkten ist es so, dass die Muttern in die Verkleidung, bzw in die schwarze Abdeckung vor dem Dashboard eingesteckt werden und die Scheibe dann eben oben auf der Verkleidung aufliegt. Sind alle Schrauben entfernt und auch die schwarzen Nylon-Unterlegscheiben der unteren beiden Fixierungspunkte gesichert, kann man die Scheibe nach oben, also quasi in Richtung Fahrer, herausziehen. Die unteren beiden Gummimuttern bekommt man aus der Verkleidung...

Wir unterbrechen das Programm für eine kleine Werbepause, denn jetzt muss erst der Weihnachtsbaum abgebaut werden. Note to self: ich muss meiner Frau unbedingt sagen, dass ich so nicht arbeiten kann, irgendwann, gelegentlich, vielleicht...

So, alles eingetütet, Wohnzimmer riecht nach Tannenwald und der Boden sieht auch so aus. Wo war ich? Ach ja. Die unteren beiden Gummimuttern bekommt man am bequemsten aus der Verkleidung, indem man die Schrauben ein paar Umdrehungen - aber nicht zu viele -  einschraubt und sie dann durch Zug am Schraubenkopf herauszieht. Das war einfach. 

Unten, im schwarzen Verkleidungsteil, sind die Muttern eingelassen
Nun kommen wir also zum Einbau der neuen Scheibe. Zunächst müssen also hier die oberen 6 Gummimuttern in die Öffnungen an der Scheibe eingesetzt werden. Das gelingt, wie man früher so schön sagte "mit Geduld und Spucke". Spucke braucht es um die Gummidinger anzufeuchten, damit sie einigermaßen in die etwas engeren Öffnungen der MRA-Scheibe flutschen. Man geht da am besten so vor, dass man die Muttern leicht einsetzt, dann die Schraube mit wenigen Umdrehungen einschraubt und schließlich mit einer Kombination aus von der einen Seite der Scheibe aus auf die Mutter drücken und auf der anderen Seite der Scheibe an der Schraube ziehen, darauf hofft, dass es irgendwann hineinflutschen wird. Das tut es schon und das geht auch noch. 

Neue Gummimutter, zum Einsetzen von oben drücken und  unten an der Schraube ziehen
Anschließend setzt man die beiden Muttern in die beiden Öffnungen im schwarzen Gehäuse vor dem Dashboard ein, was echt keine Herausforderung darstellt. Nun wird die Scheibe von oben nach unten wieder eingefädelt, so dass die oberen 6 Öffnungen der Scheibe hinter und die unteren beiden auf der Verkleidung liegen und dann schraubt man die Schrauben rein und fertig. Dachte ich. So einfach ist das aber nicht. Zunächst wollte ich mit den unteren beiden Schrauben beginnen und mich dann kreuzweise nach oben arbeiten. Relativ schnell, nach gefühlten 20 Minuten, musste ich feststellen, dass egal, was ich mache, die Schrauben einfach zu kurz, die neue Scheibe vielleicht zu dick oder ich möglicherweise zu blöd bin, diese triviale Aufgabe zu lösen. Die Schrauben ließen sich nicht ansatzweise ins Gewinde bringen und die Scheibe rutsche dann natürlich irgendwann bei dem Gehampel immer weg. Daher dachte ich mir einen anderen Plan aus und fing nun einfach von oben an, was perfekt funktionierte, denn die oberen 6 Schrauben in die Gewindebuchsen, die in den Gummitüllen versenkt sind anzusetzen war problemlos möglich. Nun war die Scheibe schon mal an ihrer Position gesichert, locker natürlich. Das nutzte aber in Hinsicht auf die unteren beiden Verschraubungen leider gar nichts. Ich habe das Mopped mittels Druck auf den Innentorx fast schon hinten an die Garagenwand geschoben, aber die beiden unteren Schrauben reichten einfach nicht bis zur Gewindehülse. Die erste Idee ist ja oft die beste, also folgte ich ihr. Obere Schrauben wieder rausgedreht, Scheibe wieder rausgezogen, die unteren beiden Gummidinger mit Schrauben versehen und wieder aus der Verkleidung geholt. Jetzt mit dem Griff eines Schraubendrehers auf die Gewindehülse eingeprügelt, in der Hoffnung, dass sich selbige innerhalb der Gummitülle etwas nach oben bewegen möge - Fehlanzeige. Die erste Idee war hier also mal nicht die beste welche. Der Mann brauchte also eine zweite und vor allem bessere Idee...grübel.... Heureka! Ich setzte also die unteren beiden Muttern wieder ins Gehäuse ein und drehte dann die Schrauben ein und zwar ungefähr so fest, wie ich sie mit montierter Scheibe eingedreht hätte. Das staucht die Gummitülle und die Gewindehülse in ihr kommt so näher an die Oberfläche. Nun schnell die Scheibe von oben eingefädelt, bevor das Gummidingens wieder in seinen Ausgangszustand expandierte und die beiden unteren Schrauben konnten gerade so angesetzt werden. Strike! Jetzt hat die Schlampe verloren, jetzt wird sie veschraubt, so! Anschließend setzte ich die anderen 6 Schrauben an und zog alle 8 von unten beginnend, mit Wechsel von links nach rechts und umgekehrt (also über Kreuz) an, um Verspannungen zu vermeiden. Fertig. Boah, ey. 

Twinkers mit MRA-Racing-Scheibe, Test steht noch aus
Jetzt geh ich noch hin und schmeiß den Baum an die Straße, weil morgen die Pfadis zum Sammeln kommen und dann ist aber gut. Und wenn morgen kein schönes Wetter ist, habe ich eine Scheiß Laune, das kannste glauben.

Schönes Wochenende!

Ciao
Georg

P.S.: Ganz vergessen, wollte ja noch kurz beschreiben, wie sich das im Rep-Rom liest:
"Schrauben (1) ausbauen und Windschild (2) abnehmen.
Windschild auf eine saubere weiche Unterlage legen.
Elastische Muttern (1) auf beiden Seiten von hinten nach vorn in Bohrungen an neuem Windschild einstecken.
Windschild (1) ansetzen und Schrauben (2) einbauen."
Ist doch easy oder nicht?

Freitag, 30. Dezember 2011

Soziussitz-Abdeckung montiert

Heute habe ich mich daran begeben die Soziusstitz-Abdeckung zu montieren. Da es mir in der Garage zu kalt war, habe ich den Umbau, ungewöhnlicher Weise ohne Gemecker von DBEVA [1], im heimischen Wohnzimmer durchgeführt. Also zunächst einmal den Sitz abgenommen, das benötigte Werkzeug mit hereingenommen und alles auf den Tisch gelegt.

Links der originale Sitz und rechts die Abdeckung

Was mir dann als erstes auffiel war die Tatsache, dass die Abdeckung über kein Innenleben oder Futteral verfügt wie es der Sitz hat. Ergo müssen Schraubendreher und Torx-Winkelschlüssel nun mit in die Werkzeugtasche. Das macht ja nichts. Als zweites fiel mir auf, dass auch das Trägerblech (im Bild oben am originalen Sitz verschraubt) nicht im Lieferumfang enthalten ist. Nun gut, auch das ist zu verkraften, dann wird das eben auch umgebaut.

Demontiertes Trägerblech

Nun wollte ich das Trägerblech an der Soziussitz-Abdeckung montieren, wobei mir als dritter Punkt auffiel, dass hierfür die benötigten zwei Schrauben sowie zwei Unterlegscheiben ebenfalls nicht mitgeliefert werden. Das finde ich dann für den Preis, auch unter Berücksichtigung des Winterrabatts, schon recht traurig, muss ich sagen. Liebe BMWler, wenn Ihr auch scharf kalkulieren müsst, aber die Euro 1,00 für zwei passende Schrauben und U-Scheiben, wären doch wohl noch drin gewesen, oder? Somit bin ich also leise vor mich hinfluchend wieder in die Garage, um mir zwei passende Scheiben und Schrauben zu holen.

Umgebautes Trägerblech, jetzt an der Soziussitz-Abdeckung

Im nächsten Schritt geht es an den Ausbau des Schlosses. Dazu werden die beiden Schrauben der Blechabdeckung herausgedreht und die Abdeckung entfernt. Anschließend kann das Schließblech, zusammen mit seinem Kunststoffgehäuse entnommen werden. nun sind noch die drei Schrauben der Schlosshalterung heraus zu drehen, so dass man auch diese mitsamt dem Schloss abnehmen kann (s. folgendes Foto).

v.o.n.u.: Schlosshalter mit Schloss, Schließblech, Abdeckblech

Jetzt gilt es den Schließzylinder aus der Schlosshalterung zu entfernen. Von handelsüblichen Haus- und Türschlössern kenne ich es so, dass man dazu nur den Schlüssel ins Schloss stecken, selbigen etwas drehen und gleichzeitig an ihm ziehen muss, bis man schließlich den Schließzylinder herausziehen kann. Das funktioniert hier nicht. Ein Blick in die, für den Selberschrauber empfehlenswerte Reparatur CD-Rom machte deutlich, wie es geht.

Die messingfarbene Blechzunge verhindert die Entnahme des Schließzylinders
Mit einem dünnen, kleinen Schraubendreher oder wie in meinem Fall, mit einem spitzen Schaschlick-Spieß kann man das federnd gelagerte Blechlein in Richtung zum Schließzylinder hin schieben und nun lässt er sich mit dem eingesteckten Schlüssel ganz leicht herausziehen. Meine Frau hat schon wieder nicht gemeckert, trotz der Verwendung Ihres Schaschlickspießes! Vielleicht wäre jetzt der richtige Zeitpunkt gewesen, sie so ganz nebenbei einmal zu fragen, ob ich die S 1000 nicht über Winter ins Haus holen kann. Naja, ich wollte mein Schicksal auch nicht zu sehr herausfordern. Der Einbau in die Abdeckung vollzieht sich dann logischer Weise in umgekehrter Reihenfolge. Man drückt die Blechzunge mit dem Finger nach innen, setzt den Schließzylinder in das, an der Abdeckung fest verklebte, Schlossgehäuse ein und achtet darauf, dass die Blechzunge wieder ausfedert so dass das Schloss auch wieder gehalten wird. Wenn die Zunge nicht richtig ausfedert, kann man den Schließzylinder noch nach oben herausziehen. 

Aufgesetztes Schließblech im Kunststoffgehäuse
Es werden jetzt wieder das Schließblech in seinem Kunststoffgehäuse aufgesteckt und das Abdeckblech aufgelegt und verschraubt.

Montiertes Abdeckblech

Nun musste ich also dringend wieder in die Garage und die Abdeckung aufsetzen, klar. Dabei stellte ich dann fest, dass das Einsetzen eines gewissen Kraftaufwandes bedarf, aber es geht. Man darf eben auch nicht zu zaghaft sein. Was mich nun am Ende noch stört, ist dass die Abdeckung nicht passgenau mit der Heckverkleidung schließt. Es bleibt ein Spalt zwischen beiden Teilen, der mich doch ein wenig betrübt.

Spalt, nach erfolgreicher Transplantation

Ich hätte da doch erwartet, dass das alles schön sauber abschließt, ohne groß sichtbaren Spalt zwischen den Bauteilen. Ansonsten sieht es ganz gut aus, wobei es aber auch erst einmal etwas gewöhnungsbedürftig ist, wenn man den steten Anblick des schwarzen Sitzes gewohnt ist. Das Heck wirkt so einfarbig dann fast noch etwas massiver.


[1] DBEVA = Die beste Ehefrau von allen

Reisetagebuch zur Isle of Man Tour 2008

Auf meiner Homepage befindet sich nun auch das Reisetagebuch zur IOM-Tour 2008:

Reisetagebuch IOM 2008

Wünsche viel Spaß beim lesen.

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Dia-Show von der 2008er Isle of Man Tour

Mein erster Versuch, mittels Windows Movie Maker eine Dia-Show zu basteln. Falls Ihr Tipps zur Optimierung habt, werden die sehr gerne angenommen.

Dia-Show Isle of Man 2008

Dienstag, 27. Dezember 2011

Sitzbankabdeckung

Morgen wird aus der Biposto eine Monoposto :-) Da kann ich mir nämlich bei meinem Freundlichen die Sitzbankabdeckung für den Soziussitz, in weiß, abholen. Und weil Winter ist, gibt es die mit 10% Rabatt. Das hört man doch gerne :-)

Die Gummimuttern für die hohe MRA-Racing-Scheibe sind bestellt, kommen aber wohl erst Anfang 2012 - macht ja nix, ist eh gerade nicht die Zeit für Highspeedrekorde ;-)

Samstag, 24. Dezember 2011

Beispiel

Mahlzeit,

wollte Euch noch einmal kurz ein Beispiel geben, was ich mit unvermögenden oder egomanischen Dosentreibern meine. In dem folgenden Clip, ist der Golf schon forsch (zieht ohne Blinker und recht dicht vor dem Mopped raus, ist aber noch im tolerierbaren Bereich). Die Krönung ist jedoch das Verhalten des Audifahrers. Dass selbst sowas mal passieren kann ist klar, darüber müssen wir nicht streiten, aber dieser Schwachmat hat auch nach der Diskussion mit den Beamten am Ende immer noch nicht verstanden, was er da überhaupt gemacht hat. Er ist sich nicht eine Sekunde darüber im Klaren, dass er das Leben des Motorradfahrers in große Gefahr gebracht hat. Ein  ungeübter Fahrer wäre möglicherweise gestürzt und überrollt worden. Kommentar des Audi-Fahrers "...ich habe doch geblinkt" und damit ist das für ihn vom Tisch. Diese Typen gehören nicht auf die Straße.

Hier nun das Video:


Ciao

Georg

Freitag, 23. Dezember 2011

'n paar Gedanken

Hallo Roggers, ;)

der Bundespräsident hält eine Rede, jeder Vereinsvorstand hält zur letzten JHV eine Rede, also schreibe ich mal mein Wort zum Jahreswechsel.

Nun steht das Christkind schon fast vor der Tür. So ein Jahr ist auch nicht mehr das, was es einmal war, ist irgendwie immer schneller rum. Egal. Ich wünsche allen Lesern ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Seht zu, dass auch im nächsten Jahr das schwarze Gummizeug an der Straße haften bleibt oder, wie die englischsprachigen Kollegen sagen: keep the rubber side down :-)

Dieses Jahr, war aus meiner Sicht als Motorradfahrer geil. Twinkers (meine S 1000 RR) macht mächtig Laune. Ich schätze nächstes Jahr gehen wir mal auf die Renne, ein wenig im Kreis fahren. Ich habe wirklich jeden km genossen, wie schon lange nicht mehr. Schade, dass ich nicht mehr Zeit aufbringen konnte.

Beim Stöbern durch eines der Foren, die ich so lese, wurde ich dieses Jahr durch mehrere Threads etwas irritiert. Früher, als Moppeds noch nach Benzin und Öl stanken, als sie Flecken ihres teuren Castrol-Blutes unter dem Ständer hinterließen, wo immer sie standen, nur widerwillig ansprangen, sich schüttelnd und hustend windeten, bis sie endlich eine blaue Wolke halbverbrannten Öls ausstoßend zum Leben erwachten, waren wir Moppedfahrer noch irgendwie eine Gruppe. Nein, das wird jetzt kein früher-war-eh-alles-besser-Beitrag. Ich meine, wir waren halt alle zu einer Gruppe Menschen zugehörig, die dem normalen Mitbürger irgendwie suspekt war. Wenn Du irgendwo in Moppedklamotten aufgetaucht bist wurdest Du immer arglistig von oben nach unten beäugt, aber keiner hatte die Eier in der Hose zu sagen:" Ey, für Moppedfahrer ist hier kein Platz.". Gedacht haben das aber sicher ganz viele, das hat man eindeutig an ihren Blicken ablesen können, aber sie hatten auch Schiss davor, dass dann vielleicht in 30 Minuten ein ganzer Haufen von diesen Lederträgern auftaucht und aus dem Laden eine Achterbahn macht. So war das. Damals.

Damals hätte auch wohl kaum ein Motorradfahrer andere Motorradfahrer, in einem Forum (ja, ich weiß, gab ja auch noch keine Foren) verurteilt. ZAPP... willkommen im here and now. Heute lese ich Threads in Motorradforen, in denen sich Motorradfahrer über andere Motorradfahrer, üble Purchen wohl, ereifern. Mit Schaum vorm Mund geifern Sie, dass die Raser von der Straße zu entfernen seien und dass Moppeds gefälligst nicht laut zu sein hätten. Schließlich würden ja die paar bekloppten Raser und Krawallbrüder für Streckensperrungen und Restriktionen anderer Art für alle Motorradfahrer sorgen. Ja, hallo? Wo bin ich denn? Diese Herrschaften sollten sich dann doch vielleicht besser einen Roller kaufen, einen E-Roller oder noch besser lieber ein Cabrio, Hybrid, versteht sich! Es ist echt unglaublich. Da spaltet sich also die moderne Gesellschaft in Nichtmotorradfahrer, motorradfahrende Gartenzwergbesitzer und Motorradfahrer auf und keiner sagt was. Keiner! Damit wir uns da nicht falsch verstehen, ich bin nicht der Meinung, dass ein Mopped den Lärm eines startenden Airbus übertrumpfen muss, aber es muss schon Sound haben. Ich bin auch nicht der Ansicht, dass man vor einem Kindergarten 100 fahren muss, aber auf freier, gut einsehbarer Strecke, ausserorts braucht auch kein Schwein Tempo 70, weil es eine 120° Kurve gibt. An dem Tag, an dem nur noch E-Bikes zugelassen werden und sich Motorräder anhören, wie ferngesteuerte RC-Modelle mit E-Motor, bin ich mit dem Thema jedenfalls durch - falls ich da noch lebe. Aber die Chancen stehen gut, dass ich das nicht mehr erleben muss. Die einen sagen, weil das alles nicht so käme, die anderen, weil ich rauche, trinke, zu viel arbeite und Motorrad fahre.

Noch so ein Ding sind diese unsäglichen Warnwestenfahrer. Wenn wegen dieser Risikophobiker irgendwann die EU auf die Idee kommt, dass diese gelben Kasperlejacken zur Pflichtverkleidung für Motorradfahrer werden, dann werde ich Outlaw, versprochen.
Ja, natürlich wird man leichter übersehen als Motorradfahrer, aber das ist ja wohl nicht die Lösung des Problems. Wie wäre es denn einmal darüber nachzudenken nicht die Opfer zu geißeln sondern die Verursacher der meisten tödlichen Motorradunfälle von der Straße zu nehmen. Ja, genau, die Dosenfahrer, die qua Unvermögen oder egomanischem Verhalten dazu beitragen, dass Motorradfahrer sterben. Auf die Idee kommt heute kein Mensch mehr, nicht einmal in einem Motorradforum. Sic. Jeder von uns hat diese Situationen schon erlebt, PKW fährt ohne zu blinken und ohne Spiegel- oder gar Schulterblick vom Straßenrand an oder wendet über die Fahrbahn, PKW wechselt mit geschätztem Tempo 100 km/h auf der dreispurigen BAB von der mittleren Fahrspur auf die linke, ohne Blinken, ohne zu schauen, was von hinten kommt, Linksabbieger kann die Geschwindigkeit des ihm entgegenkommenden Motorradfahrers nicht einschätzen, denkt sich das passt noch und zieht rum, PKW-Fahrer fummelt am Navi/Zigarettenanzünder/liest Zeitung/schreibt SMS und übersieht den Motorradfahrer, to be continued. Die Liste ist lang. Das wird toleriert, das wird akzeptiert, das ist eben so. Das war eben ein Unfall. Das ist das Restrisiko. 

Schade, dass wir jetzt untereinander noch zwei Fraktionen aufmachen und uns auch noch selbst zerfleischen. Das ist nämlich gar nicht nötig, Feinde haben wir eh genug, wie ja die jüngsten Attentatversuche auf Motorradfahrer eindrucksvoll bewiesen haben (Öl-Flaschen-Werfer der einen Familienvater tötet und Splitthaufenverteiler). Hauptsache, wir sind alle schön pc. Political Correctness sollte langsam mal zum Unwort des Jahrzehntes gekrönt werden. In der eifrigen Befolgung von Befehlen sind wir Deutschen ja immer schon super gewesen und auch im vorauseilenden Gehorsam (s.a. Warnwestenträger). Das ist Tradition, da kann man stolz drauf sein. Muss man aber nicht.

Ja, das musste jetzt einfach mal gesagt werden. Macht ja sonst wieder keiner ;-)

Ich wünsche Euch allen ein unfallfreies und tolles 2012, mit viel Spaß an unserem gemeinsamen Hobby.


Euer
Georg